Diese Tage in pissgrau...

... mag ich ja eigentlich!
Darum freue ich mich grad auch darüber so schlechte Laune zu haben, dass alle Anstrengungen was "sinnvolles" zu machen damit enden, dass ich in die Küche renne um mir meinen 13ten ukrainischen Mukkefukk zu machen ihn mit dem russischen Löffel umzurühren damit er sich im in der italienischen Tasse schwimmenden kochendheißen estnischen Wasser schneller auflöst.
Sowas nennt man Ausweichreaktion. Die Umkehrung wär interessant und unglaublich praktisch für die Einhaltung des Zeitplans. Beispielsweise: sobald ich versuche Vorbereitungen für das Fällen des Apfelbaums im Garten zu treffen renne ich zu meinem Laptop und fange an mich in hochwissenschaftliche Untersuchungen über Grünen und andere Menschen zu stürzen.
Hmmm zu einfach für diese Welt, befürchte ich, und riskieren will ich das Leben meines äpfeltragenden Freundes auch nicht leichtfertigerweise. So verzweifelt bin ich dann noch nicht.


Ich glaub es nicht!

Jetzt ist mein Stimmungsbarometer wirklich vollkommen aus dem Gleichgewicht geraten: Die Sonne kommt raus und kitzelt mich fies am Ohrläppchen. Da muss ich wohl weiter nach links rutschen und die optimale Position an meinem Schreibtisch aufgeben - alle 5 Minuten ein bißchen weiter bis ich mich nicht näher an die Wand drücken kann und schließlich mit der Gardine gegen die Bestrahlung vorgehe

3.12.08 12:21, kommentieren

So wird es immer sein

Gedanken der Vergangenheit schmecken klebrig vom Staub des Versäumten
Mit blecherner Zunge herunterwürgend bis endlich im Magen begraben

2.12.08 18:31, kommentieren

Wochenende in Tallinn

Hat sich tatsächlich angefühlt wie Großstadt bei kaum mehr als 400.000 Einwohnern. Toll wie sich Perspektiven verschieben können!
Doof, wenn man aufgrund der vielen Touristen, Autos und ungenutzten Möglichkeiten schlechte Laune bekommt. Ich würd Tallinn ja wirklich nicht als schlimmste Stadt Estlands beschimpfen, aber irgendwie hat sie im novembergrauen Schneematsch keine einschlägigen Qualitäten, die ich sehen kann. Achso, na gut ein Filmfestival und ein schön warmes, glitzerndes Kaufhaus gibts schon, aber sonst!?

Dank dem Kauftempel bin ich nun zertifizierte "Baumumarmerin", die kannten das Wort in Finnland auf deutsch aber nicht, weshalb sie's auf englisch geschrieben haben. Bin nun also "Treehugger" und sehe aus wie eine Eule. Dieses Zertifikat werde ich ganz stolz auf mir tragen, wenn ich nach Deutschland komme, also Geduld, wer mich trifft, wird auch das Zertifikat zu Gesicht bekommen.
Damit rette ich übrigens auch die Welt! Es ist nämlich 95% Ökobaumwolle im T-Shirt drin und wurde nicht etwa von Arbeitssklaven in China sondern von viel fröhlicheren (Ist reicher = fröhlicher???) in Finnland zusammengenäht.
Das T-Shirt ist besser als n Überraschungsei, weil ich damit mehr als nur drei popelige Dinge gekauft habe, nämlich 4!!!!
1) Ich habe ein schickes neues Trikot zum auf den Leib spannen
2) Die Umwelt wird gerettet, weil die Baumwolle ökologisch aufwachsen durfte und nur nach ökologischen Standarts erlaubte Pestizide versprüht wurden.
3) Ich habe mit meinem Kauf die Verlagerung von Arbeitsprozessen aus dem bösen weit entfernten China unterstützt und somit die Regionalisierung der Produktion innerhalb der EU vorangetrieben!
4) Mein Gewissen habe ich mit dem Ausgeben von etwas mehr Geld für eine GUTE SACHE schön eingelullt, ich hab mich quasi glücklicher gekauft.
Überraschung, es gibt eine Nummer 5! Ich kann nie sicher sein, ob ich das T-Shirt anziehen kann, wenn ich will, da M bereits ihr Interesse am Tragen dieses Kleidungsstücks geäußert hat. Ich muss also stets um mein Recht als Käufer (Mit wessen Geld ich jetzt genau bezahlt habe, sollte hier vernachlässigt werden!!!) und damit Haupteigentümer kämpfen. Ergo: Das Leben mit diesem T-Shirt ist voller Spannung über dessen Verfügbarkeit. Ein toller Kauf, jetzt brauch ich gar keine Weihnachtsgeschenke mehr, hab ja schon alles, was das Herz begehren könnte....
Könnte natürlich ein weiteres Kaufhaus aufsuchen und neue Begierden in mich einpflanzen, fänd ich aber relativ sinnlos und für derartige Spielchen hab ich auch keine Zeit, muss doch Magisterarbeiten! Da muss man mit dem schlechten Gewissen voll bei der Sache sein, sonst klappt das mit der Motivation hinten und vorne nicht!

Haben zu dritt einen, nach Aussage M's typisch deutschen zufälligerweise deutschen Film gesehen. Gemeinte Charakteristik: Es passiert nicht sehr viel und das sehr langsam. Ja, find ich auch nicht so zutreffend, aber ich lasse den Esten gern gönnerhaft ihr Weltbild.
Der Film nun hieß "Die Besucherin" und ist der erste Spielfilm von einer jungen Regisseurin, deren Name ich vergessen habe. Sie war aber kurz vor dem Film da und hat uns erklärt, dass der englische Titel nicht "The visitor" sein konnte, weil dann nicht klar geworden wäre, dass es sich um eine Frau handelt. Logischer Schluss, der englische Titel ist "Days in between". Da die Esten noch weniger Geschlechter haben als die Briten&Co. haben die den Titel auch aus dem Englischen geklaut und sich damit weit weit vom deutschen Original entfernt.
Naja, der Film war echt gut! Schöne Menschen (größtenteils wenigstens...aber die hübsche Hauptdarstellerin hat den ersten Sex mit ihrem Liebhaber ja auch ohne ihn vorher zu sehen und danach ist es schon um sie geschehen), Realität und ein paar Witze gibt es auch. Nur dass in Deutschland jemand mit dem Auto anhalten würde um jemanden mitzunehmen, halte ich für nicht so glaubhaft. Ok, mein ehemals Erziehungsberechtigter tut das, aber er ist auch ne Ausnahme. Warum soll man in Filmen nicht auf den Ausnahmen rumreiten?! Weil ich das grad unlogisch finde. Ich werde da jetzt nicht weiter drüber nachdenken.
Schwinge mich jetzt erstmal aufs Rad und gucke, ob Lambak gefunden werden will. Nieselregen draußen, mir bleibt auch nichts erspart heute morgen...

1 Kommentar 1.12.08 09:18, kommentieren

Schicke Buchstabenkombinationen

Wie bereits bei anderen Gelegenheiten erwähnt ist Estnisch eine sehr unterhaltsame Sprache. Nicht nur wenn man ihr mit netten Esten/innen fröhnt! Auch wenn man Bücher, Zeitungen oder andere Verschriftlichungen liest.
K. hat mir letztens die Beschriftung ner Thunfischdose gezeigt, deren Hattrick der Buchstabendoppel mir durchaus erwähnenswert erscheint. Es ist ein echter Hattrick. Alle drei BiBuchstaben sind in einer Hälfte des Wortes - in der ersten - und sie sind nicht durch einsame Einsiedlerlettern auseinandergerissen.

vÖÖTTUUnitükid


Wenn man das laut liest, kommt man übers Deutsche eigentlich ganz gut zurecht.
Das erste Wort verrate ich: vööt = Streifen
Da kenn ich auch kein altes deutsches Wort, was so ähnlich wäre, aber man muss ja auch dem Russischen und Finnischen ein paar beeinflusste Worte im Estnischen lassen... Ich tippe hier ja eher auf Finnisch, weil ziemlich viel Vokabular, was mit Meer zu tun hat finno-ugrischen Ursprungs ist. Ach schön, wenn man sein Wissen so verbreiten kann. Und ich seh nicht mal, wenn Ihr Euch gähnend wegdreht.
Aber weiter im Text, muss ja noch in die Bibliothek fleißig sein.
Da ich ja schon verraten habe, woher K. den Zettel hatte sollte es nicht mehr so schwer sein rauszufinden was
tuun (tuuni = Genitiv)
und
tükk (tükid = Plural)
bedeuten.

Falls nicht, könnt Ihr ja nachfragen, dann gebe ich Euch gönnerhaft auch dieses mein unglaubliches Wissen preis.

Gut genug der Sprachenkunde an dieser Stelle.
Da gestern niemand geheizt hat, ist es grad ein bißchen kalt hier, ich werd mir also was zu essen machen und mich dann in der Bibliothek mit Arbeit aufwärmen hehe

28.11.08 10:18, kommentieren

Von wegen...

Auch in den Stunden vor dem Sonnenaufgang wacht man nicht mit Gold im Mund auf - selbst wenn man sich ernsthaft vorgenommen hat die frühen Stunden effektiv zu nutzen.
So wie ich halt! Hatte mir schon genau überlegt, wie ich die glänzende Wertanlage am profitabelsten für mich arbeiten lasse und nun löst sich dieser mein genialer Plan in plusgradeverseuchte Winterluft auf.
Nicht nur muss ich diesen Morgen jetzt im Wachzustand rumkriegen, oh NEIN, das wäre ja zu einfach. Zusätzlich gepeinigt werde ich auch vom schreiend lauten Platschen des tropfenderweise schmelzenden Schnees.
Aufgrund der durchschnittlich recht hoch bis höheren Schneedecke schätze ich die Schmelzzeit auf mindestens eine Woche. Eine ziemlich unattraktive Vorstellung, da es wahrscheinlich durch kleine nächtliche Frosteinlagen zu glatt zum Radeln ist und wenn man sich dazu herabläßt doch einen Fuß vor die Tür in den Matsch zu setzen, wird man ewig bis länger brauchen um sich rutschender-, schimpfender- und sinkenderweise an sein Ziel anzunähern.

Morgenmuffelei macht glücklich!

2 Kommentare 27.11.08 08:17, kommentieren